Gesundheit · Analyse
Drogen, Sucht und Missbrauch: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
Dass in der schwulen Szene viel konsumiert wird, ist ein verbreitetes Bild. Die Daten bestätigen einen Teil davon, widerlegen einen anderen und zeigen eine Gruppe, über die kaum gesprochen wird. Wir gehen der Reihe nach vor: wie groß die Unterschiede sind, was Chemsex ist, welche Rolle Missbrauch in der Kindheit spielt und welche Erklärungen tragen.
Wie groß die Unterschiede sind
Die Forschung ist sich in diesem Punkt ungewöhnlich einig. Eine frühe Metaanalyse von 25 Bevölkerungsstudien fand bei Nicht-Heterosexuellen ein 1,5- bis 4-fach erhöhtes Risiko für Alkohol- und Drogenabhängigkeit, besonders bei lesbischen und bisexuellen Frauen (King u. a. 2008). Bei Jugendlichen lag der Konsum etwa dreimal so hoch (Marshal u. a. 2008).
Wir haben die beiden großen Gesundheitsumfragen der US-Gesundheitsbehörde CDC ausgewertet: das Behavioral Risk Factor Surveillance System (BRFSS) 2023 und 2024 mit rund 518.000 Befragten und den National Health Interview Survey (NHIS) 2022 bis 2024. Die eigentlich naheliegende Drogenerhebung NSDUH war für uns nicht abrufbar, deshalb fehlen in unseren eigenen Zahlen harte Drogen; die nennen wir aus der Literatur.
Rauchen, Rauschtrinken, Cannabis
USA 2023/24, Anteil mit Konsum in den letzten 30 Tagen bzw. aktuell rauchend, in Prozent
CannabisRauschtrinkenZigaretten
Werte als Tabelle
| Cannabis (%) | Rauschtrinken (%) | Zigaretten (%) | |
|---|---|---|---|
| Heterosexuelle Männer | 16,8 | 19,1 | 12,6 |
| Schwule Männer | 30,0 | 21,9 | 13,5 |
| Bisexuelle Männer | 33,2 | 22,4 | 13,2 |
| Heterosexuelle Frauen | 11,4 | 10,4 | 9,9 |
| Lesbische Frauen | 31,6 | 18,1 | 12,3 |
| Bisexuelle Frauen | 41,2 | 23,2 | 13,5 |
Drei Muster fallen auf. Cannabis ist in allen queeren Gruppen etwa doppelt bis viermal so verbreitet. Lesbische und bisexuelle Frauen trinken und rauchen etwa so viel wie heterosexuelle Männer und kiffen deutlich mehr. Und bei schwulen und bisexuellen Männern ist Rauschtrinken kaum höher als bei heterosexuellen Männern.
Ein Einwand liegt nahe: Queere Menschen sind im Schnitt jünger, seltener verheiratet und wohnen häufiger in Städten, und all das geht mit mehr Konsum einher. Wir haben deshalb Alter, Ethnie, Bildung, Einkommen, Familienstand, Bundesstaat und Stadt/Land herausgerechnet.
Was nach Alter, Einkommen und Bildung bleibt
Bereinigte Odds Ratio gegenüber Heterosexuellen gleichen Geschlechts, 95-%-Intervall
Werte als Tabelle
| Wert (OR) | 95-%-Intervall | n | |
|---|---|---|---|
| Cannabis · Schwule Männer | 1,57 | 1,27 – 1,95 | – |
| Cannabis · Bisexuelle Männer | 1,68 | 1,37 – 2,05 | – |
| Cannabis · Lesbische Frauen | 2,72 | 2,10 – 3,51 | – |
| Cannabis · Bisexuelle Frauen | 3,18 | 2,74 – 3,68 | – |
| Cannabis fast täglich · Schwule Männer | 1,32 | 1,01 – 1,72 | – |
| Cannabis fast täglich · Bisexuelle Männer | 1,53 | 1,21 – 1,94 | – |
| Cannabis fast täglich · Lesbische Frauen | 2,25 | 1,66 – 3,04 | – |
| Cannabis fast täglich · Bisexuelle Frauen | 3,02 | 2,51 – 3,62 | – |
| Rauschtrinken · Schwule Männer | 0,98 | 0,85 – 1,12 | – |
| Rauschtrinken · Bisexuelle Männer | 0,97 | 0,85 – 1,12 | – |
| Rauschtrinken · Lesbische Frauen | 1,29 | 1,08 – 1,54 | – |
| Rauschtrinken · Bisexuelle Frauen | 1,51 | 1,37 – 1,66 | – |
| starkes Trinken · Schwule Männer | 0,95 | 0,77 – 1,19 | – |
| starkes Trinken · Bisexuelle Männer | 1,23 | 0,94 – 1,61 | – |
| starkes Trinken · Lesbische Frauen | 1,39 | 1,16 – 1,67 | – |
| starkes Trinken · Bisexuelle Frauen | 1,60 | 1,39 – 1,84 | – |
| Zigaretten · Schwule Männer | 1,19 | 1,01 – 1,39 | – |
| Zigaretten · Bisexuelle Männer | 1,05 | 0,89 – 1,24 | – |
| Zigaretten · Lesbische Frauen | 1,49 | 1,14 – 1,95 | – |
| Zigaretten · Bisexuelle Frauen | 1,81 | 1,62 – 2,04 | – |
Die Unterschiede schrumpfen dadurch kaum, meist um 5 bis 20 %. Bisexuelle Frauen haben bereinigt eine 3,2-fache, lesbische Frauen eine 2,7-fache Chance, im letzten Monat Cannabis konsumiert zu haben, schwule Männer eine 1,6-fache. Beim Rauschtrinken liegen schwule Männer mit 0,98 genau auf dem Niveau heterosexueller Männer.
Härtere Drogen und Abhängigkeit
Für Kokain, Crystal Meth, Opioide und echte Abhängigkeit stützen wir uns auf veröffentlichte Auswertungen. In der amerikanischen Drogenerhebung von 2015 hatten 39 % der LGB-Erwachsenen im letzten Jahr illegale Drogen genommen, gegenüber 17 % der Heterosexuellen. Methamphetamin: 2,3 gegenüber 0,6 %. Inhalanzien, bei Männern vor allem Poppers: 7,5 gegenüber 0,3 % (Medley u. a. 2016). Diese Zahlen sind nicht altersbereinigt. Bereinigt haben schwule Männer eine etwa doppelt so hohe Chance für andere illegale Drogen als Cannabis und für eine Drogengebrauchsstörung (Odds Ratio 1,98 bzw. 1,92), bisexuelle Frauen eine 2,4-fache Chance für den Missbrauch von Opioid-Schmerzmitteln (Schuler & Collins 2020).
Die beste Quelle für echte Diagnosen ist die NESARC-III mit rund 36.000 persönlichen Interviews nach den Kriterien des psychiatrischen Diagnosehandbuchs.
Abhängigkeit: am stärksten bei Frauen
Alkohol- und Drogengebrauchsstörung im letzten Jahr (DSM-5), bereinigte Odds Ratio gegenüber Heterosexuellen gleichen Geschlechts
Werte als Tabelle
| Wert (OR) | 95-%-Intervall | n | |
|---|---|---|---|
| Alkohol · Schwule Männer | 1,3 | 1,0 – 1,8 | – |
| Drogen · Schwule Männer | 1,1 | 0,6 – 1,9 | – |
| Alkohol · Lesbische Frauen | 2,2 | 1,7 – 2,9 | – |
| Drogen · Lesbische Frauen | 2,3 | 1,2 – 4,3 | – |
| Alkohol · Bisexuelle Frauen | 2,1 | 1,5 – 2,9 | – |
| Drogen · Bisexuelle Frauen | 2,3 | 1,4 – 3,7 | – |
Auch hier ist das Bild eindeutig: Bei Frauen ist die Lücke groß, bei schwulen Männern klein. Eine Alkoholabhängigkeit ist bei ihnen nur leicht häufiger (Odds Ratio 1,3), eine Drogengebrauchsstörung nicht gesichert. Bei Bisexuellen insgesamt hatten 11 % im letzten Jahr eine Drogengebrauchsstörung, bei Heterosexuellen 3,7 % (Kerridge u. a. 2017).
Eng damit verbunden ist die psychische Gesundheit. In unserer Auswertung wurde bei 59 % der bisexuellen Frauen schon einmal eine Depression diagnostiziert.
Depression als ständiger Begleiter
USA 2023/24, Anteil, bei dem je eine Depression diagnostiziert wurde, in Prozent
Depression je diagnostiziert
Werte als Tabelle
| Depression je diagnostiziert (%) | |
|---|---|
| Heterosexuelle Männer | 13,9 |
| Schwule Männer | 33,4 |
| Bisexuelle Männer | 37,1 |
| Heterosexuelle Frauen | 24,2 |
| Lesbische Frauen | 41,5 |
| Bisexuelle Frauen | 58,9 |
Chemsex
Ein Bereich ist fast ausschließlich bei Männern zu finden, die Sex mit Männern haben: Chemsex, der gezielte Konsum von Drogen, um Sex zu erleichtern, zu intensivieren oder zu verlängern. Typisch sind Crystal Meth, Mephedron, GHB/GBL und Ketamin, meist bei privaten Treffen, die über Apps verabredet werden.
In der größten europäischen Online-Befragung mit rund 127.000 Männern berichteten 5,2 %, in den letzten vier Wochen Chemsex gehabt zu haben, 10,4 % im letzten Jahr und 15,2 % jemals. Poppers hatten 21 % in den letzten vier Wochen genommen (EMIS-Netzwerk 2019). 72 % der letzten Gruppentreffen fanden in Privatwohnungen statt. Der stärkste Einflussfaktor ist der Wohnort.
Chemsex ist eine Großstadtsache
Männer, die Sex mit Männern haben: Konsum von GHB/GBL, Ketamin, Crystal Meth oder Mephedron in den letzten 4 Wochen, in Prozent
4 Wochen
Werte als Tabelle
| 4 Wochen (%) | |
|---|---|
| Brighton | 16,3 |
| Manchester | 15,5 |
| London | 13,2 |
| Amsterdam | 11,2 |
| Barcelona | 7,9 |
| Zürich | 7,0 |
| Berlin | 5,3 |
| Sofia | 0,4 |
Berlin lag 2010 im europäischen Mittelfeld. Für Deutschland gibt es nur Gelegenheitsstichproben: In einer Online-Umfrage hatte gut ein Viertel der Teilnehmer im letzten Jahr Chemsex-Substanzen beim Sex genommen, die Hälfte davon berichtete Kontrollverlust bei Zeit, Geld oder Dosis (Bohn u. a. 2020). Diese Zahl ist nicht repräsentativ.
Die Folgen sind messbar. Chemsex mit mehreren Partnern geht in Großbritannien mit einer zwei- bis vierfachen Chance für Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien einher (MacGregor u. a. 2021). In London waren zwischen 2011 und 2015 61 Todesfälle mit GHB verbunden (Hockenhull u. a. 2017). Wie viele Menschen insgesamt an Chemsex sterben, weiß niemand, weil Totenscheine weder Orientierung noch Umstände erfassen.
Missbrauch in der Kindheit
Ein Befund, der selten offen angesprochen wird: Schwule, lesbische und bisexuelle Erwachsene berichten zwei- bis viermal so häufig, in der Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein. Über Schulstudien hinweg lag das Verhältnis bei 3,8 (Friedman u. a. 2011).
Sexueller Missbrauch in der Kindheit
USA, Anteil Erwachsener, die von sexuellem Missbrauch in der Kindheit berichten, in Prozent
heterosexuellschwul bzw. lesbischbisexuell
Werte als Tabelle
| heterosexuell (%) | schwul bzw. lesbisch (%) | bisexuell (%) | |
|---|---|---|---|
| Männer | 5,0 | 15,9 | 21,9 |
| Frauen | 14,8 | 28,2 | 35,1 |
Auch körperlicher und seelischer Missbrauch sowie Sucht im Elternhaus sind häufiger (Andersen & Blosnich 2013). Unsere Auswertung bestätigt das für Alkohol- und Drogenprobleme im Elternhaus.
Aufgewachsen mit Sucht im Haushalt
Bereinigte Odds Ratio gegenüber Heterosexuellen gleichen Geschlechts, 95-%-Intervall
Werte als Tabelle
| Wert (OR) | 95-%-Intervall | n | |
|---|---|---|---|
| Alkoholproblem · Schwule Männer | 1,86 | 1,39 – 2,50 | – |
| Alkoholproblem · Bisexuelle Männer | 1,45 | 1,05 – 1,99 | – |
| Alkoholproblem · Lesbische Frauen | 1,74 | 1,20 – 2,52 | – |
| Alkoholproblem · Bisexuelle Frauen | 2,13 | 1,73 – 2,63 | – |
| Drogenkonsum · Schwule Männer | 1,15 | 0,79 – 1,68 | – |
| Drogenkonsum · Bisexuelle Männer | 2,00 | 1,43 – 2,81 | – |
| Drogenkonsum · Lesbische Frauen | 1,06 | 0,61 – 1,83 | – |
| Drogenkonsum · Bisexuelle Frauen | 1,63 | 1,29 – 2,07 | – |
Für die Suchtfrage ist das wichtig, denn belastende Kindheitserfahrungen sind einer der stärksten Risikofaktoren für spätere Sucht. In der NESARC-III verschwindet bei Männern der Abstand zu eindeutig heterosexuellen Männern weitgehend, wenn man diese Belastungen berücksichtigt; bei Frauen bleibt er bestehen (McCabe u. a. 2020).
Warum ist Missbrauch häufiger? Zwei Erklärungen stehen sich gegenüber.
- Auffällige Kinder werden zu Opfern. Kinder mit stark geschlechtsuntypischem Verhalten, die später überdurchschnittlich oft homosexuell werden, erleben mehr körperlichen, seelischen und sexuellen Missbrauch, unabhängig von ihrer späteren Orientierung (Roberts u. a. 2012). Diese Erklärung ist gut gestützt.
- Missbrauch prägt die Orientierung. Eine Studie hat versucht, das mit einem statistischen Verfahren für Ursachenschätzung zu zeigen, und kam auf einen Effekt von +0,7 Prozentpunkten bei der LGB-Identität (Roberts u. a. 2013). Gemessen an einem LGB-Anteil von 1,5 bis 2 % in diesen Daten wäre das nicht wenig. Die Schätzung hängt aber an Hilfsgrößen wie elterlicher Sucht und psychischer Krankheit, die selbst erblich sind und schon für sich mit der Orientierung zusammenhängen. Belastbar ist sie deshalb nicht.
Eine dritte Möglichkeit ist, dass beides gemeinsame Wurzeln in Familie und Anlage hat: In australischen Zwillingsdaten sagten Missbrauch und ein belastetes Elternhaus sowohl die Orientierung als auch Depression vorher (Zietsch u. a. 2012).
Was die Unterschiede erklärt
Die vorherrschende Erklärung ist Minderheitenstress: Ablehnung, Diskriminierung, Verheimlichen und verinnerlichte Abwertung erzeugen Stress, der sich in Sucht und psychischen Problemen niederschlägt (Meyer 2003). Dafür gibt es Belege. LGB, die drei Formen von Diskriminierung erlebt hatten, hatten ein fast viermal so hohes Suchtrisiko wie LGB ohne solche Erfahrung (McCabe u. a. 2010). In US-Bundesstaaten, die 2004/05 die gleichgeschlechtliche Ehe per Verfassung verboten, stieg die Alkoholabhängigkeit unter LGB um 42 %, in anderen Staaten nicht (Hatzenbuehler u. a. 2010, kleine Stichprobe).
Mehrere Befunde passen aber schlecht dazu.
Auch in toleranten Ländern
| Land, Studie | Befund |
|---|---|
| Niederlande, NEMESIS-2 (2007–09) | Männer: keine gesicherte Lücke bei Suchtstörungen (12 Monate 11,7 % gegenüber 7,6 %, n. s.). Frauen: Alkoholabhängigkeit 9,4 % gegenüber 0,3 %, Drogenabhängigkeit 10,7 % gegenüber 0,5 % (sehr kleine Gruppen) |
| Niederlande, 1996 → 2009 | keine signifikante Veränderung der Unterschiede trotz wachsender Akzeptanz |
| Schweden, Gesundheitsumfrage 2008–15 | Cannabis: bisexuelle Frauen OR 3,4, schwul/lesbisch 1,9; Rauchen: schwule Männer 2,3, lesbische Frauen kein Unterschied |
| England, 2013–19 | Rauchen: Schwule und Lesben haben zu Heterosexuellen aufgeschlossen, Bisexuelle nicht (OR 1,4 bzw. 1,6) |
| USA, Kohorten (Meyer u. a. 2021) | die jüngste Generation (geboren 1990–97) ist psychisch nicht gesünder als ältere |
- Tolerante Länder: In den Niederlanden und Schweden, zwei der tolerantesten Länder der Welt, bestehen die Unterschiede fort, bei Frauen sogar sehr groß. In den Niederlanden hat sich zwischen 1996 und 2009 nichts verändert.
- Keine Annäherung: Die Akzeptanz ist seit den 1990ern stark gestiegen, die Unterschiede sind in den USA und Kanada gleich geblieben oder gewachsen. Die jüngste Generation queerer Amerikaner ist psychisch nicht gesünder als ältere (Meyer u. a. 2021).
- Die falsche Rangfolge: Schwule Männer waren historisch am stärksten verfolgt, haben aber die kleinsten Suchtunterschiede. Bisexuelle Frauen haben die größten.
- Familie und Anlage: In schwedischen Zwillingsdaten wurde das erhöhte Risiko für Alkoholabhängigkeit und psychische Probleme kleiner oder verschwand, wenn man Zwillinge miteinander verglich, also Familie und Gene konstant hielt (Frisell u. a. 2010). Die große Genstudie zur Orientierung fand genetische Überlappungen von gleichgeschlechtlichem Verhalten mit Rauchen, Cannabiskonsum, Risikobereitschaft und Offenheit für neue Erfahrungen (Ganna u. a. 2019).
- Die Szene: Poppers, GHB und Crystal Meth sind auf schwule Sexualpraktiken und Netzwerke zugeschnitten, und Chemsex hängt stärker an der Stadt als an der Person. Normen und Verfügbarkeit in der Szene sind ein eigener Faktor.
Am besten passt ein Bild aus mehreren Ursachen: häufiger belastende Kindheitserfahrungen, Minderheitenstress, Normen und Verfügbarkeit in der Szene und eine gemeinsame Anlage zu Risikobereitschaft und Offenheit. Wie viel jede davon beiträgt, weiß niemand.
Was belegt ist und was nicht
Was belegt ist und was nicht
| Aussage | Belegstärke | Begründung |
|---|---|---|
| LGB konsumieren mehr Drogen und sind häufiger abhängig | hoch | Metaanalysen, große Bevölkerungsumfragen in USA, NL, SE, UK; eigene Auswertung |
| Am stärksten betroffen sind bisexuelle Frauen | hoch | in fast allen Datensätzen; Cannabis OR rund 3 |
| Schwule Männer trinken nicht mehr | mittel bis hoch | Rauschtrinken nicht erhöht; Abhängigkeit leicht erhöht (OR 1,3) |
| Chemsex ist unter MSM verbreitet | mittel | 5 % im Monat, 10 % im Jahr; stark ortsgebunden, Gelegenheitsstichproben |
| Missbrauch in der Kindheit ist 2- bis 4-mal häufiger | hoch | Metaanalyse, mehrere Bevölkerungsumfragen |
| Missbrauch prägt die Orientierung | gering, umstritten | nur eine Schätzung mit fragwürdigen Instrumenten (+0,7 Punkte LGB-Identität) |
| Minderheitenstress erklärt die Lücke | teilweise | Dosis-Wirkung mit Diskriminierung; aber Lücke bleibt in toleranten Ländern und über Jahrzehnte |
| Gemeinsame Anlage (Risikobereitschaft, Familie) | mittel | Zwillingsvergleich verringert die Lücke; genetische Überlappung mit Rauchen und Cannabis |
Für Deutschland fehlen repräsentative Daten fast vollständig. Das Robert Koch-Institut musste in seiner Übersicht zur Gesundheit queerer Menschen für den Substanzkonsum auf amerikanische und niederländische Studien zurückgreifen (Pöge u. a. 2020).
Die Studien stehen mit Prüfstatus im Quellenverzeichnis.