Gesellschaft · Analyse

Machen Kinder konservativ? Queere Eltern und ihre politische Haltung

Eltern, so die These, treffen politische Entscheidungen mit dem Blick auf die nächste Generation, während Kinderlose eher im Hier und Jetzt leben. Für queere Menschen ist die Frage besonders interessant, weil sie viel seltener Kinder haben und politisch weit links stehen. Gezielt untersucht hat das bisher niemand. Wir haben es nachgerechnet.

· 9 Min. Lesezeit · Eigene Auswertung CES 2022/2024 (Harvard Dataverse) und GSS 2008–2024 (NORC); Pew (2013, 2024); Banducci u. a. (2016); Fieder & Huber (2018); Kerry u. a. (2022); Milfont u. a. (2020); Thomas u. a. (2018); Flores & Morrison (2021); Turnbull-Dugarte (2020); Wurthmann (2023); Ifop (2022)

Die These

Die Annahme klingt plausibel: Wer Kinder großzieht, muss an Schulen, Sicherheit, Schulden und die Welt in dreißig Jahren denken. Kinderlose können sich auf ihr eigenes Leben konzentrieren. Daraus würden zwei Dinge folgen. Erstens wählen Eltern anders als Kinderlose. Zweitens, und das ist der eigentliche Kern, entscheiden sie langfristiger.

Für schwule, lesbische und bisexuelle Menschen (im Folgenden LGB) ist das ein interessanter Prüffall. Sie haben deutlich seltener Kinder und stehen in den USA zu rund 80 % auf Seiten der Demokraten (Pew 2013, 2024). Wenn Elternschaft konservativer macht, müsste sich das auch innerhalb dieser Gruppe zeigen.

Was über Eltern allgemein bekannt ist

In den USA sind Eltern republikanischer als Kinderlose. Unter Vätern von Kindern unter 18 Jahren stehen 54 % den Republikanern nahe, unter kinderlosen Männern 44 %. Bei den 35- bis 44-jährigen Männern ist der Abstand mit 55 zu 36 % noch größer (Pew 2024). Das ist eine Beschreibung, keine Erklärung: Pew berücksichtigt weder Religion noch Ehe, Region oder Bildung.

In Europa sieht es anders aus. In der großen Auswertung des European Social Survey mit 45.253 Befragten aus 28 Ländern unterschieden sich Väter nicht von kinderlosen Männern. Mütter wünschten sich mehr staatliche Kinderbetreuung, rückten in dieser Frage also eher nach links (Banducci u. a. 2016).

Ein Teil des Zusammenhangs läuft in die Gegenrichtung: Konservative und Religiöse bekommen mehr Kinder. Über Daten aus rund 100 Ländern (World Values Survey) haben die politischen Ränder mehr Kinder als die Mitte, die Rechte am meisten. Die politische Einstellung erklärt aber nur 0,15 % der Unterschiede in der Kinderzahl, die Bildung 3,98 %, und in 70 Ländern gibt es gar keinen Zusammenhang (Fieder & Huber 2018). Eine Studie mit 426.444 Befragten fand, dass Eltern in gesellschaftlichen Fragen wie Abtreibung, Scheidung und vorehelichem Sex konservativer sind, in wirtschaftlichen Fragen nicht. Das Experiment derselben Arbeit wirkte allerdings nur bei Teilnehmern, die sich stark darauf einließen (Kerry u. a. 2022).

Echte Längsschnittbelege, dass das erste Kind Menschen insgesamt nach rechts verschiebt, haben wir nicht gefunden. Belegt sind Verschiebungen bei einzelnen Themen: Nach dem ersten Kind sinkt in den USA die Unterstützung für ein Recht auf Abtreibung (Hernandez u. a. 2025).

Queere Eltern: eine Lücke in der Forschung

Eine Studie, die queere Eltern politisch mit kinderlosen Queeren vergleicht, gibt es nicht. Den einzigen Hinweis liefert ein Anhang zu einer Arbeit über Kinder gleichgeschlechtlicher Paare: Nach GSS-Daten sind LGB-Eltern häufiger parteipolitisch ungebunden als kinderlose LGB, also womöglich weniger ausgeprägt progressiv (Flores & Morrison 2021). Zahlen dazu stehen nur im Anhang.

Ein Grund für die Lücke: Queere Eltern sind selten und ungleich verteilt. Schwule Männer haben am seltensten Kinder, bisexuelle Frauen am häufigsten.

Schwule Männer sind am seltensten Väter

USA 2013, Anteil mit eigenen Kindern (jemals) und mit Kindern unter 18, in Prozent

Kinder (jemals)Kinder unter 18

Werte als Tabelle
Kinder (jemals) (%)Kinder unter 18 (%)
alle Erwachsenen74,0–
LGBT gesamt35,017,0
Schwule Männer16,05,0
Lesbische Frauen31,08,0
Bisexuelle Frauen59,040,0
1.197 LGBT-Befragte. Für alle Erwachsenen nennt Pew nur den Anteil mit Kindern jemals. Pew Research Center (2013), A Survey of LGBT Americans, Kap. 4

Unsere Auswertung

Wir haben zwei große US-Umfragen ausgewertet. Die Cooperative Election Study (CES) befragt vor jeder Wahl rund 60.000 Menschen online. Aus den Wellen 2022 und 2024 haben wir 11.305 LGB- und 96.843 heterosexuelle Befragte. „Eltern“ heißt hier: Kinder unter 18 im Haushalt. Die General Social Survey (GSS) ist eine Zufallsstichprobe mit viel kleinerer Fallzahl; „Eltern“ heißt dort, überhaupt Kinder bekommen zu haben, egal wie alt sie heute sind.

Wer sich als konservativ bezeichnet

USA, Anteil „konservativ“ oder „sehr konservativ“ nach Orientierung und Kindern unter 18 im Haushalt, in Prozent

mit Kindernohne Kinder

Werte als Tabelle
mit Kindern (%)ohne Kinder (%)
Heterosexuelle Männer37,141,7
Heterosexuelle Frauen34,937,8
Schwule Männer19,010,2
Lesbische Frauen12,96,0
Bisexuelle Männer18,615,9
Bisexuelle Frauen12,07,4
CES 2022 und 2024, gewichtet, rund 115.000 Befragte. Ohne Kontrolle von Alter, Religion oder Ehe. Eigene Auswertung, Cooperative Election Study 2022/2024

Der erste Blick bestätigt die These für queere Menschen. In jeder LGB-Gruppe bezeichnen sich Eltern häufiger als konservativ als Kinderlose. Bei schwulen Männern ist der Anteil fast doppelt so hoch (19 gegen 10 %), bei lesbischen Frauen sogar mehr als doppelt (13 gegen 6 %). Bei Heterosexuellen ist es umgekehrt: Eltern minderjähriger Kinder sind seltener konservativ (35,9 gegen 39,8 %), weil sie im Schnitt zwölf Jahre jünger sind als Kinderlose.

Bei der tatsächlichen Wahl verschwindet ein Teil des Unterschieds. Schwule Väter haben 2024 nicht häufiger Trump gewählt als kinderlose Schwule, lesbische Mütter sogar seltener. Nur bei Bisexuellen, vor allem bisexuellen Frauen, liegt Trump bei Eltern deutlich vorn.

Wer 2024 Trump gewählt hat

USA, Anteil Trump an den Stimmen für Trump oder Harris, nach Orientierung und Kindern unter 18 im Haushalt, in Prozent

mit Kindernohne Kinder

Werte als Tabelle
mit Kindern (%)ohne Kinder (%)
Heterosexuelle Männer54,056,5
Heterosexuelle Frauen50,849,8
Schwule Männer17,218,0
Lesbische Frauen10,112,9
Bisexuelle Männer32,228,4
Bisexuelle Frauen18,711,9
CES 2024, Nachwahlbefragung, gewichtet. Eigene Auswertung, Cooperative Election Study 2024

Wer queere Eltern sind

Der wichtigste Befund steckt in der Zusammensetzung. Rund 81 % der LGB-Befragten mit Kindern unter 18 sind bisexuell, die meisten davon Frauen. Viele leben vermutlich mit einem Partner des anderen Geschlechts. Queere Eltern sind doppelt so oft verheiratet wie kinderlose Queere und gehen häufiger in die Kirche. Bisexuelle stehen ohnehin weniger weit links als Schwule und Lesben (Pew 2013: 44 % Demokraten gegenüber 64 bis 67 %).

Wer Kinder hat, ist anders zusammengesetzt

GruppeAlter Ø (mit / ohne Kinder)verheiratetKirchgang mind. monatlichFrauenanteil
Heterosexuelle41 / 5366 % / 43 %39 % / 32 %54 % / 50 %
LGB gesamt36 / 3842 % / 20 %19 % / 15 %72 % / 43 %
Bisexuelle35 / 3443 % / 20 %16 % / 15 %76 % / 57 %
Schwule Männer41 / 4546 % / 20 %27 % / 14 %0 % / 0 %
Lesbische Frauen35 / 4139 % / 25 %21 % / 16 %100 % / 100 %
Von den LGB-Befragten mit Kindern unter 18 im Haushalt sind 1.633 von 2.028 bisexuell. Eigene Auswertung, CES 2022/2024, gewichtet

Ein Teil dessen, was wie ein Elterneffekt aussieht, ist also ein Effekt der Auswahl. Wer als queerer Mensch Kinder hat, ist häufiger bisexuell, verheiratet, religiös, und in den USA leben gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern überdurchschnittlich oft in konservativen Südstaaten wie Mississippi (Gates 2013). Hinzu kommt die Auswahl beim Bekenntnis selbst: Wer sich als LGB bezeichnet, stand schon vorher eher links (Egan 2012).

Was nach den Kontrollen bleibt

Um Elternschaft von diesen Merkmalen zu trennen, haben wir Regressionen gerechnet, die Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Kirchgang, Konfession, Ethnie, Familienstand und Region gleichzeitig berücksichtigen.

Was vom Elternbonus der Konservativen übrig bleibt

Unterschied im Anteil „konservativ“ zwischen Eltern und Kinderlosen in Prozentpunkten, 95-%-Intervall

Werte als Tabelle
Wert (Pp.)95-%-Intervalln
CES · Heterosexuelle · roh−3,8−5,0 – −2,6–
CES · Heterosexuelle · kontrolliert−0,3−1,6 – 1,1–
CES · LGB · roh4,71,7 – 7,7–
CES · LGB · kontrolliert1,9−1,6 – 5,3–
GSS · Heterosexuelle · roh11,19,0 – 13,3–
GSS · Heterosexuelle · kontrolliert3,51,0 – 6,0–
GSS · LGB · roh9,12,9 – 15,2–
GSS · LGB · kontrolliert3,0−4,1 – 10,1–
Roh: nur Erhebungsjahr. Kontrolliert: Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Kirchgang, Religion, Ethnie, Familienstand, Region. CES: Kinder unter 18 im Haushalt; GSS: je Kinder bekommen, egal wie alt. Eigene Auswertung, CES 2022/2024 und GSS 2008–2024

In der CES schrumpft der Elternvorsprung bei LGB von 4,7 auf 1,9 Prozentpunkte; das Intervall schließt null ein. Bei Heterosexuellen in der GSS bleiben von 11,1 Punkten nach Kontrollen 3,5 übrig. Rund zwei Drittel des Unterschieds gehen also auf Alter, Ehe und Religiosität zurück. Vergleicht man nur 25- bis 55-Jährige, sind heterosexuelle Eltern in der CES um 2 bis 4 Punkte konservativer und republikanischer; bei LGB ist der Unterschied dann praktisch null.

Wählen Eltern republikanischer?

Unterschied im Anteil republikanischer Stimmen bei der Präsidentenwahl, Eltern minus Kinderlose, kontrolliert, in Prozentpunkten

Werte als Tabelle
Wert (Pp.)95-%-Intervalln
CES · Heterosexuelle1,3−0,1 – 2,8–
CES · LGB2,0−2,6 – 6,6–
GSS · Heterosexuelle3,00,2 – 5,8–
GSS · LGB13,55,4 – 21,6–
CES: Trump 2024 (Zweiparteienstimme). GSS: republikanisch gewählt bei der jeweils letzten Präsidentenwahl, 2008–2024 gepoolt; nur 574 LGB-Befragte mit Wahlangabe. Eigene Auswertung, CES 2024 und GSS 2008–2024

Eine Ausnahme liefert die GSS: Dort haben LGB-Eltern auch nach allen Kontrollen um 13,5 Punkte häufiger republikanisch gewählt (Intervall 5 bis 22 Punkte). Das beruht auf nur 574 LGB-Befragten mit Wahlangabe über 16 Jahre und passt zum Hinweis von Flores & Morrison. In der fünfzigmal größeren CES zeigt sich dieser Effekt nicht. Wir halten ihn deshalb für möglich, aber nicht für gesichert.

Ein Vorbehalt gilt in beide Richtungen: Ehe und Kirchgang können auch Folgen der Elternschaft sein. Dann ziehen die Kontrollen zu viel ab, und der wahre Effekt liegt irgendwo zwischen roh und bereinigt.

Denken Eltern langfristiger?

Das ist der Kern der These, und hier fällt das Ergebnis am deutlichsten aus. Wir haben alle Fragen ausgewertet, die einen längeren Zeithorizont abbilden: Klima, Umwelt, erneuerbare Energien, fossile Förderung, Ausgaben für Wissenschaft und Rente.

Denken Eltern bei Klima und Umwelt langfristiger?

Zustimmung Eltern minus Kinderlose in Prozentpunkten, kontrolliert, 95-%-Intervall

Werte als Tabelle
Wert (Pp.)95-%-Intervalln
Klima: sofortiges Handeln nötig · Heterosexuelle−2,1−3,8 – −0,5–
Klima: sofortiges Handeln nötig · LGB−12,4−17,8 – −7,1–
EPA darf CO2 regulieren · Heterosexuelle0,1−1,6 – 1,8–
EPA darf CO2 regulieren · LGB−1,3−5,8 – 3,3–
Mindestanteil erneuerbarer Strom · Heterosexuelle0,1−1,6 – 1,8–
Mindestanteil erneuerbarer Strom · LGB−3,5−8,3 – 1,4–
EPA-Durchsetzung Clean Air/Water stärken · Heterosexuelle−1,0−2,7 – 0,7–
EPA-Durchsetzung Clean Air/Water stärken · LGB−5,5−10,5 – −0,4–
Mehr fossile Förderung (Gegenpol) · Heterosexuelle3,01,4 – 4,7–
Mehr fossile Förderung (Gegenpol) · LGB9,33,9 – 14,7–
Bundesstaat: Bildungsausgaben erhöhen · Heterosexuelle6,85,0 – 8,5–
Bundesstaat: Bildungsausgaben erhöhen · LGB2,9−1,6 – 7,4–
Keine neuen Öl-/Gaspachten auf Bundesland · Heterosexuelle1,8−0,3 – 3,9–
Keine neuen Öl-/Gaspachten auf Bundesland · LGB−1,2−7,5 – 5,1–
GSS: Umweltschutz: Staat gibt zu wenig aus · Heterosexuelle−4,0−6,4 – −1,7–
GSS: Umweltschutz: Staat gibt zu wenig aus · LGB−8,0−15,3 – −0,8–
GSS: Sozialversicherung (Rente): zu wenig · Heterosexuelle1,3−1,3 – 3,9–
GSS: Sozialversicherung (Rente): zu wenig · LGB−6,9−17,6 – 3,7–
Positive Werte: Eltern stimmen häufiger zu. „Mehr fossile Förderung“ ist der Gegenpol zu Klimaschutz. CES 2022 (Öl-/Gaspachten 2024), GSS 2008–2024. Eigene Auswertung, CES 2022/2024 und GSS 2008–2024

Heterosexuelle Eltern unterscheiden sich bei Klimafragen kaum von Kinderlosen, und wenn, dann in die falsche Richtung: Sie wollen etwas häufiger mehr fossile Förderung. Bei queeren Eltern ist der Abstand groß. Nur 51 % sagen, beim Klima müsse sofort gehandelt werden, unter kinderlosen Queeren sind es 69 %. Auch nach Kontrollen bleiben 12 Punkte Abstand. Die GSS zeigt dasselbe: Eltern finden seltener, dass der Staat zu wenig für den Umweltschutz ausgibt.

Durchgehend höher ist bei Eltern nur eines: die Zustimmung zu mehr Geld für Schulen (+7 Punkte bei heterosexuellen Eltern). Das ist ein Interesse der eigenen Lebensphase, kein Blick auf die nächsten Jahrzehnte.

Die Forschung stützt das. Das beste vorhandene Längsschnittpanel, die präregistrierte neuseeländische NZAVS mit 23.027 Personen und 1.522 Geburten, fand nach der Geburt eines Kindes keine Veränderung bei Klimasorge, Verzichtsbereitschaft oder Umweltverhalten, weder bei Müttern noch bei Vätern (Milfont u. a. 2020). Im britischen Haushaltspanel ging das Umweltverhalten nach einem Kind sogar leicht zurück: weniger Bus und Bahn, mehr Heizung (Thomas u. a. 2018). Die Autoren sehen darin keine Stütze für die „Vermächtnis-These“; in den ersten Jahren gilt die Sorge dem unmittelbaren Wohl des Kindes. In einem Laborexperiment waren Eltern bei Geldentscheidungen sogar ungeduldiger als Kinderlose (Li & Liu 2018). Zu Staatsschulden und Rente gibt es keine Studie zum Vergleich von Eltern und Kinderlosen.

Wie queere Menschen überhaupt wählen

Zur Einordnung: Die Linksneigung ist in den USA und Großbritannien sehr groß, in Kontinentaleuropa kleiner und brüchiger.

  • USA: rund 80 % der LGB stehen den Demokraten nahe (Pew 2024), Trump kam 2024 laut Nachwahlbefragungen auf 12 bis 20 %.
  • Großbritannien: 70 % der LGB wählen Labour, Liberaldemokraten oder Grüne, gegenüber 52 % der Heterosexuellen (Turnbull-Dugarte 2024).
  • Westeuropa: Im European Social Survey wählen LGB nur rund 7 Punkte häufiger links; der Überschuss geht vor allem an die Grünen. Bei Rechtsaußen-Parteien unterscheiden sie sich nicht von Heterosexuellen (Turnbull-Dugarte 2020; Page & Paulin 2022).
  • Frankreich: Vor der Präsidentenwahl 2022 wollten 31 % der schwulen Männer Le Pen oder Zemmour wählen, kaum weniger als alle Wähler mit 34,5 % (Ifop 2022).
  • Deutschland: Repräsentative Zahlen gibt es nicht. In einem Online-Panel vor der Bundestagswahl 2021 wählten LGB häufiger grün und zugleich häufiger AfD als Heterosexuelle, allerdings mit nur 210 LGB-Befragten (Wurthmann 2023). Selbstrekrutierte Umfragen widersprechen sich völlig: In einer Community-Umfrage 2021 lagen die Grünen bei 53 %, in einer Umfrage einer schwulen Dating-App 2025 die AfD bei 28 %.

Was belegt ist und was nicht

Was belegt ist und was nicht

AussageBelegstärkeBegründung
Eltern wählen in den USA republikanischer als Kinderlosehoch (beschreibend)Pew 2024, GSS, CES; ohne Kontrollen 10 Punkte und mehr
Konservative und Religiöse bekommen mehr Kinderhoch, aber kleiner EffektWVS, SHARE, GSS (Fieder & Huber 2018); erklärt unter 0,2 % der Unterschiede
Das erste Kind macht Menschen insgesamt konservativergeringkeine Panelstudie zur Links-rechts-Einstufung gefunden; Effekte nur bei Einzelthemen wie Abtreibung
Eltern denken bei Klima und Umwelt langfristigerwiderlegt für Klima/Umweltpräregistriertes Panel NZ: kein Effekt; UK: leicht weniger Umweltverhalten; unsere Daten: eher weniger
Eltern setzen andere Prioritäten (Bildung, Familie)mittelBildungsausgaben +7 Punkte bei heterosexuellen Eltern; Kinderbetreuung bei Müttern
Queere Eltern sind konservativer als kinderlose Queeremittel (roh), gering (bereinigt)CES und GSS roh ja; nach Kontrollen 0–4 Punkte, Ausnahme GSS-Wahl
Kinder machen queere Menschen konservativerunerforschtkeine Längsschnittstudie; Gegenhypothese: rechte Familienpolitik politisiert queere Eltern nach links
Eigene Einordnung nach Studiendesign und eigener Auswertung

Für queere Eltern gibt es eine Gegenthese mit eigenem Beleg: Elternschaft kann sie auch nach links treiben, weil rechte Familienpolitik ihre eigene Familie trifft. Von 113 befragten queeren Eltern in Florida erwogen nach dem sogenannten „Don't Say Gay“-Gesetz 56 %, den Bundesstaat zu verlassen (Goldberg). Der allgemeine Mechanismus „Kinder machen konservativ“ könnte bei Queeren deshalb schwächer sein.

Die Studien stehen mit Prüfstatus im Quellenverzeichnis.

ElternschaftRegenbogenfamilienWahlverhaltenKonservatismusKlimapolitikZeithorizontBisexualitätUSA

Impressum · Datenschutz